FAQ/Vorsorge, Notfall und Erste Hilfe

Aufgrund mangelnden Sicherheitsbewusstseins verkommt manches Sicherheitstraining im Verein zum müden Grill-Gelage. Doch für den Ernstfall will Retten und Reanimieren bestens geübt sein. Die notwendige Theorie liefern wir jetzt mit einem aktualisierten Beitrag von Dr. Holger Hohn zum Ertrinkungsunfall nach. Der Arzt, Journalist und begeisterte Kajakfahrer beschreibt darin die notwendige Rettungsausrüstung sowie die anstehenden Maßnahmen zur Versorgung verunglückter Kanuten und bietet damit eine optimale Grundlage für praktische Rettungsübungen am Bach.

1. Der Ertrinkungsunfall

Unter Ertrinken versteht man den akuten Erstickungstod durch Eintauchen in eine Flüssigkeit. Gelingt dagegen eine Lebensrettung durch Wiederbelebung ("cardio-pulmonale Reanimation" oder kurz "CPR" genannt), spricht der Fachmann vom Beinahe-Ertrinken. Das ungewollte und unerwartete Untertauchen mit dem Kopf wird als "Submersion" bezeichnet. Soweit die Fachbegriffe.

2. Die Rettungsausrüstung

Als Retter sind folgende Ausrüstungsgegenstände als Minimalstandard notwendig und mitzuführen:

Sehr sinnvoll ist das Mitführen folgender "Rettungsgeräte":

Alle genannten Teile sind preisgünstig, kompakt und leicht. Es gibt also keine Ausrede, nicht optimal ausgestattet auf eine Kajakfahrt zu gehen. Bedenke: Ich erwarte von meinen Kameraden eine gute Ausrüstung, damit sie mich im Ernstfall optimal retten können. Also muss auch ich diesem Anspruch gerecht werden!

3. Der schwimmende Paddler

Der schwimmende Paddler ist durch drei Umstände besonders gefährdet:

  1. durch Unterkühlung mit Zentralisation und Gefahr eines Wiedererwärmungsschock ("after-drop")
  2. durch Verschlucken und Aspiration von Wasser durch unerwartetes und ungewolltes Eintauchen (sogenannte Submersion) mit Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand
  3. durch Verletzungen

4. Die Rettung des Verunglückten

Soll die Rettung schnell und effektiv verlaufen, ist von hastigen und unüberlegten Aktionen unbedingt abzusehen. Um jedochin dieser Extremsituation eine schnelle Koordination aller Hilfswilliger zu erreichen (meist ist die Gruppe der Erstretter nicht einmal untereinander bekannt), hat sich in der Notfallmedizin das Prinzip des "leitenden Retters" bewährt. Das heißt, dass der zuerst eintreffende Retter solange die Aktion als "Leiter" koordiniert, bis ein qualifizierterer Retter die Leitung nach Rücksprache mit dem "leitenden Retter" übernehmen kann. Dieses Prinzip funktioniert nur, wenn es bekannt und akzeptiert ist. Schließlich ist eine koordinierte schlechte Rettung immer noch besser als unkoordinierte und gute Vorschläge, die nicht in die Tat umgesetzt werden können!

Beim Eintreffen eines Retters zu einem Unfallort ist die Frage "Wer hat hier die Leitung?" kein Witz, sondern für das Ertrinkungsopfer lebenswichtig! Übertriebener Ehrgeiz oder Selbstdarstellungshang sind hier völlig fehl am Platz. Ebenso wie Schaulustige (Foto), die die Rettungsmaßnahmen behindern. Nach der viel zitierten Sicherung der Unglücksstelle (sicherer Ort des Verunglückten, Sicherung aller Boote) muss jemand zum Boten ernannt werden, der die Rettungsdienste (wie Notarzt, Feuerwehr oder Bergwacht) alarmiert. Dieser Bote hat es in der Hand, mit kühlem Kopf und durch möglichst genaue Angaben zum Hergang und Ort eine schnelle Zweithilfe durch die Profis zu organisieren. Hier können Sekunden entscheiden.

Bewährt haben sich zur Unfallmeldung die sogenannten W-Fragen:

Die Zurückgelassenen müssen sich jetzt einen genauen Überblick verschaffen.

4.1. Die erste Untersuchung des Verunglückten

Entscheidend für den weiteren Werdegang der Rettung ist die erste Untersuchung des Verunglückten. Effektiv und schnell ist ein Entscheidungsbaum, der wie eine Checkliste durchlaufen wird: der Notfall-Check.

Im Idealfall hat der geübte Helfer diesen durch ständiges Üben im Rollenspiel auswendig gelernt und im Ernstfall drauf. Ist das nicht der Fall, sollte die Untersuchung zu zweit erfolgen: ein Helfer mit der "Checkliste" fragt die jeweiligen Punkte beim untersuchenden zweiten Helfer ab. Dieser sollte laut Antwort geben (vergleichbar einem Check vor dem Start eines Flugzeuges). Die Notfallkarte mit den zu treffenden Notfallmaßnahmen steht noch einmal am Ende dieses Artikels zum Download bereit.

4.2. Bewusstseinslage

Zuerst ist die Bewusstseinslage durch laute Ansprache zu überprüfen. Ist der Verunglückte nicht ansprechbar oder bewusstlos, ist aufgrund der Gefahr eines Wiedererwärmungsschocks ("after-drop") von heftigen Erweckungsaktionen in Form von Schütteln oder Zerren unbedingt abzusehen!

5. Der Verunglückte ist bei Bewusstsein

Ist der Verunglückte bei Bewusstsein, wird die Bekämpfung von Schock und Unterkühlung eingeleitet. Das Ausmaß der Unterkühlung kann zwar anhand von Symptomen (wie Muskelzittern und Muskelstarre) in Schweregrade eingeteilt werden, die Bewertung der beobachteten Symptome ist für einen Laien jedoch außerordentlich schwierig. Sinnvoll ist die Unterscheidung in leichte und schwere Unterkühlung.

Eine leichte Unterkühlung ist mit dem Zustand zu beschreiben, den jeder nach einer längeren Schwimmaktion kennt: Frieren und leichtes Zittern, aber ansonsten keine Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Jeder weiß sich selbst in dieser Situation wieder aufzuwärmen. Praktisch sind hier sogenannte Wärmeakkus oder heiße Getränke. Völlig anders ist die Situation bei einer schweren Unterkühlung: Muskelzittern, Schwäche, Schockzeichen, blaue Lippen sowie Verwirrtheit zeigen diesen Zustand an. Da jetzt eine Bewusstlosigkeit droht, dürfen keine Getränke verabreicht werden!

Achtung: Bei Bewusstlosen ist immer eine schwere Unterkühlung anzunehmen!

5.1. Maßnahmen

Ist der Verunglückte bei Bewusstsein, sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:

Ist der Patient nicht bei Bewusstsein, sind all die beschriebenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Unterkühlung (bis auf den Windschutz) erst einmal zweitrangig und weiter hinten anzustellen. Sie dürfen aber nicht vergessen werden.

6. Der Verunglückte ist nicht bei Bewusstsein

Atemwege freimachen (Esmarch-Handgriff)

Unverzüglich sind jetzt die Atemwege frei zu machen! Dazu kniet man hinter dem Kopf des Verunglückten und überstreckt vorsichtig dessen Kopf mit beiden Händen nach hinten. Der Mund wird weit geöffnet (eventuell wehrt sich jetzt der zu Rettende und zeigt so eine "halbwache" Bewusstseinslage an). Anschließend den Unterkiefer wie eine Schublade nach vorne schieben und nach oben klappen. Das ist der Esmarch-Handgriff, der beim Beatmen der Schlüssel zum Erfolg ist.

Bevor jetzt mit dem Zeigefinger der Mundraum freigemacht wird (Schleim, Erbrochenes oder Fremdkörper wie Zahnprothesen), sollte man sich überlegen, ob Handschuhe im Erste-Hilfe-Pack mitgeführt werden. Außerdem sollte durch einen Gegenstand (zum Beispiel ein Kugelschreiber oder ein stumpfer Ast), der seitlich von einem zweiten Helfer vorsichtig zwischen die Backenzahnreihe geschoben wird, sicher gestellt werden, dass im Falle eines unwillkürlichen Kieferschlusses des Verunglückten der Zeigefinger des Retters an der Hand desselben bleibt. Besonderes Augenmerk ist auf Zahnprothesen zu richten. Sie müssen in jedem Fall entfernt werden (aber bitte nicht achtlos wegwerfen, sie kosten in der Regel einige Tausender).

Zwei Verfahren, die der 1908 gerstorbene Begründer des zivilen Samariterwesens Friedrich von Esmarch begründete, werden bis heute angewandt: der Esmarch-Handgriff und die Esmarchsche Blutleere. Diverse Kriegserfahrungen gingen zudem in sein weltbekanntes "Handbuch der kriegschirurgischen Technik" von 1877 ein. Der Generalarzt, der stets in einem schwarzen Talar operierte, erfand den Eisbeutel und führte erstmals Verbandspäckchen, Dreieckstuch und Beinschienen im Rettungswesen ein.

Ist jetzt eine gute und stabile Atmung vorhanden? Geprüft wird der Zug der Atemluft im Bereich von Mund und Nase sowie die Atembewegung des Brustkorbes oder des Bauches (im Falle einer sogenannten Bauchatmung). Dazu muss die Schwimmweste schon entfernt sein! Sind Atmung und Puls vorhanden und stabil, wird der Bewusstlose jetzt mit äußerster Vorsicht (Gefahr des Wiedererwärmungsschocks!) von der Paddeljacke und Spritzdecke befreit, in die Rettungsfolie eingewickelt und in die stabile Seitenlagerung (Foto oben) gebracht.

Pulskontrolle

Eine Pulskontrolle wird nach den neuesten Richtlinien nicht mehr durchgeführt!

Stabile Seitenlage

Ein Bewusstloser mit stabiler Atmung und Puls wird in die stabile Seitenlage gebracht. Ist sichtlich keine Atmung vorhanden oder schnappt der Verunglückte vergeblich nach Luft (der Fachmann spricht von "Schnappatmung"), muss in jedem Fall Atemspende gegeben, also der Patient beatmet werden.

6.1. Keine Atmung

Kann beim Bewusstlosen weder eine Atmung noch ein Pulsschlag festgestellt werden, ist vom klinischen Tod des Paddlers auszugehen. Jetzt ist sofort die Wiederbelebung, wir sprechen von der cardio-pulmonalen Reanimation (CPR), einzuleiten.

Anzahl der Helfer

Entscheidend für die Art der Durchführung ist die Anzahl der Helfer. Steht man allein auf weiter Flur, ist man in der misslichen Lage, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen. Zu zweit sieht es schon besser aus und ist weniger anstrengend. Sind noch mehr Helfer vor Ort, kann man sich bei Erschöpfung zwischendrinn schon mal abwechseln. Allerdings können nicht mehr als zwei Helfer gleichzeitig reanimieren.

Esmarcher Handgriff

Die cardio-pulmonale Reanimation verläuft nach einem starren Schema: Zunächst nochmalige Anwendung des Esmarch-Handgriffs. Durch diesen Griff wird der Mundboden und damit die Zunge stramm gehalten, so dass sie nicht in den Rachen zurückfallen und die Atemwege blockieren kann. Bei der nun folgenden Beatmung muss dieser Griff ständig gehalten werden, wenn die Zunge nicht mehr zurückfallen soll. Jeder, der das schon mal wenige Minuten gemacht hat, weiß, wie anstrengend dieser Handgriff sein kann.

6.2. Beatmung

Die CPR beginnt mit zwei Beatmungen: Da der Mund beim Anwenden des Esmarch-Handgriffs geschlossen wird und bleibt, wird grundsätzlich nach der Mund-zu-Nase-Methode beatmet! Im Normalfall atmen wir ja auch durch die Nase. Mundatmung wird im Schlaf hingegen oft durch lautes Schnarchen quittiert - ein Zeichen dafür, dass die Atemwege zumindest teilweise durch die Zunge verlegt sind (jetzt aber bitte nicht dem Freund oder der Freundin das Schnarchen mit dem Esmarch-Handgriff abgewöhnen).

Der Helfer bläst langsam zwei Atemstöße in die Nase. Die Wirkung der Beatmung wird am Heben und Senken des Brustkorbs des Verunglückten kontrolliert. Bläst man zu schnell oder mit zu großem Druck in die Nase, so besteht die Gefahr, dass die Luft nicht in die Lunge, sondern in den Magen des Patienten gelangt (ab einem Luftdruck von zirka 20 Millimeter Quecksilbersäule, rund 2600 Pascal, öffnet sich der Schließmuskel der Speiseröhre zum Magen). Damit wird Erbrechen provoziert, insbesondere, wenn der Magen reichlich mit Wasser gefüllt ist.

Die ganze Sache hört sich nicht nur kompliziert an, sie ist auch verdammt schwer. Hier macht ständige Übung den Meister! Eine wesentliche Erleichterung des ganzen Vorganges erzielt man mit der Anwendung einer speziellen Atemmaske (Foto), die in der Größe eine Zahnspangendose immer und überall mitgenommen werden kann. Aber auch der Umgang mit einer Maske will gelernt sein. Das bloße Mitführen beruhigt zwar das Gewissen, hilft dem Verunglückten aber wenig.

Reanimieren zwei Helfer, schließt sich dem letzten der zwei anfänglichen Beatmungszügen sofort die Herzdruckmassage an (mit dem ersten Drücken wird so das Ausatmen unterstützt). Auch die Herz-Druck-Massage ist nicht einfach und muss ständig geübt werden, damit sie effektiv ist.

6.3. Herzdruckmassage

Durch Kompression des Brustkorbes wird das Herz praktisch im Raum zwischen Brustbein und Wirbelsäule "ausgequetscht", also ein Herzschlag imitiert. Optimal durchgeführt ist der Retter in der Lage, nicht nur einen Minimalkreislauf aufrecht zu erhalten, sondern sogar einen messbaren Blutdruck aufzubauen. Somit wird die unterbrochene Blut- und Sauerstoffversorgung zum Gehirn wieder hergestellt.

In der Praxis sucht man das untere Ende des Brustbeins, also die Stelle, an der die Magengrube beginnt. Jetzt legt man an dieser Stelle zwei Finger der anderen Hand quer auf das Brustbein. Anschließend setzt der Handballen der anderen Hand direkt neben den zwei Fingern mitten auf das Brustbein auf. Die Finger dieser Hand werden steil nach oben gespreizt (damit nur der Handballen aufliegt, ansonsten treten starke Scherkräfte mit der Gefahr des Rippenbruchs auf). Die andere Hand legt sich in ähnlicher Weise gekreuzt und auch mit abgespreizten Fingern auf die aufliegende Hand. Die Arme werden gestreckt, der jetzt folgende Druck kommt bei leicht nach vorne gebeugtem Oberkörper genau senkrecht von oben, die Bewegung hingegen nur aus der Hüfte.

Dabei wird der Brustkorb zu rund einem Drittel des Durchmessers eingedrückt (am tiefsten Punkt einen kurzen Moment verweilen), bevor man mit dem Druck nachlassen kann. Wichtig dabei: Auch nachdem der Brustkorb entlastet wird oder der zweite Helfer gerade beatmet, müssen die Hände in der oben beschriebenen Haltung auf dem Brustbein verharren! Ansonsten droht ein Abrutschen von der Idealposition, Rippenbrüche sind zumeist die Folge, was nicht nur unschön und für den Patienten sehr schmerzhaft ist, sondern auch stark die Effizienz der weiteren Druckmassage einschränkt.

Dem fünfzehnten Druckimpuls bei der Massage (bei jedem Druckstoß laut mitzählen!) folgt im direkten Anschluss der nächste Beatmungszug, so dass in der Entspannungsbewegung des Brustkorbes der so entstehende Unterdruck in den Lungen für das Einblasen der Luft ausgenutzt werden kann. Also 15-malig drücken, zweimal beatmen. Das Schema ist bei einem Helfer genau wie bei zwei Helfern identisch durchzuführen.

Wie lange reanimieren?

Dieser Vorgang muss so lange durchgeführt werden, bis der Verletzte wieder atmet und einen tastbaren Puls hat. Ist das nicht der Fall, muss bis zum Umfallen weiter gemacht werden. Nur die eintreffenden Rettungskräfte dürfen die Reanimation beenden. Da ein unterkühlter Verletzter auch nach langen Reanimationszeiten eine reelle Lebenschance hat, ist auch der Notarzt gut beraten, die Reanimation bis in die Klinik fortzusetzen.

7. Die möglichen Verletzungen

Bedingt durch die oben beschriebenen Vorgänge kann auch in der Frühphase des Ertrinkens (also im Extremfall kurz nach der Kenterung) ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintreten. Der bewusstlose (also klinisch tote) Schwimmer wird nicht mehr durch sinnvolle Eigenaktionen seinen "Schwimmkurs" beeinflussen können. Er wird unter Umständen in die nächste Schlüsselstelle, den nächsten Baumverhau oder ähnliches hineingetrieben. Augenfällig wird dies im Wildwasser, wo der regungslose Verunglückte heftiger den Naturgewalten ausgeliefert ist.

Derselbe Effekt tritt nach einer längeren Schwimmaktion ein: durch stetige Auskühlung und Kräfteverbrauch wird der Paddler zunehmend lethargisch und ergibt sich irgendwann seinem Schicksal. Jetzt ist die Verletzungsgefahr insbesondere für lebensgefährliche Kopf- oder Halsverletzungen enorm hoch. Dieser Aspekt ist bei der Rettung unbedingt zu berücksichtigen:

8. Die potenziellen Probleme

Der bewusstlose Verletzte liegt auf dem Rücken, Atmung und Puls fehlen, der Kopf wird mit dem Esmarch-Handgriff überstreckt, zwei Atemzüge gespendet. Als der zweite Helfer mit der Herz-Druck-Massage beginnen will, bäumt sich der Bewusstlose auf und erbricht sich heftig! Jetzt heißt es schnell zu handeln, wenn das Erbrochene nicht in die Lunge laufen soll. Blitzschnell also muss der gesamte Patient so auf die Seite gedreht werden, dass das Erbrochene aus dem Mund fließen kann. Nach Erbrechen muss wieder nach dem Schema verfahren werde: Mund vollständig säubern (Atemwege freimachen) und Kopf überstrecken (wie unter Punkt 6 beschrieben).

Ein weiteres ernstes Problem kann durch den Sauerstoffmangel des Gehirns auftreten: Hierbei kommt es häufig zu regelrechten Krampfanfällen, die dann oft mit Erbrechen einhergehen. Auch hier gilt es, Ruhe zu bewahren, beim Erbrechen zur schnellen Seitenlagerung übergehen. Die einzige Möglichkeit, den Krampfanfall zu beenden, besteht in der raschen Sauerstoffzufuhr zum Gehirn. Also, wenn möglich, die Durchführung einer Reanimation. Vor allem wegen der sogenannten Ekelbarriere (natürlicher Ekel vor direktem Kontakt eines mit Erbrochenem verschmiertem Gesichts) sollte es im eigenen Interesse liegen, mit einer Atemmaske arbeiten zu können.

9. Die Rechtslage und moralische Verpflichtung

Die cardio-pulmonale Reanimation ist in der Ausführung schwierig, es können eine Menge Fehler gemacht werden. Noch schlechter als eine fehlerhaft durchgeführte Reanimation ist dagegen gar keine Reanimation! Wegen der Scheu vor der Durchführung einer Reanimation nicht helfen zu wollen, heißt nicht nur, dass man den Verunglücktem dem sicheren Tod überlässt. Man macht sich auch strafbar aufgrund unterlassener Hilfeleistung. In jedem Fall drohen empfindliche Haftstrafen.

Um alle Scheu und Angst vor dieser Situation zu überwinden, heißt es üben und immer wieder üben. Mindestens jedes halbe Jahr sollte ein entsprechender Auffrischungs- und Übungskurs besucht werden. Auskünfte erteilen gerne alle ortsansässigen Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, DLRG oder Malteser Hilfsdienst.

10. Die CPR-Memo und Notfallkarte

Soweit zur Theorie, üben muss natürlich jeder selbst! Damit in der Hektik des Ernstfalles nicht der ein oder andere wichtige Punkt untergeht, sollte das Flussdiagramm zur Erstrettung und das Memo-CPR immer mitgeführt werden. Im Ernstfall ist dann stur wie bei einem Flugzeug-Check vorgehen. Letztlich meistert man die Situation nur dann, wenn man mit Ihr vertraut ist.

Quelle: Dr. Holger Hohn (Bearbeitung Webmaster)

 

Notfallkarte als PDF zum downloaden

 

Damit die Notfallkarte immer zur Hand ist, einfach das PDF-Dokument ausdrucken und im Copyshop in eurer Nähe auf Westentaschenformat verkleinern. Dort ist man euch auch beim wasserdichten Laminieren behilflich. Somit steht der großen Bootstour mit der kleinen Gedankenstütze im Gepäck nichts mehr im Weg. Verinnerlichen sollte man Dr. Hohns Ertrinkungs-Szenario allerdings schon vorher - es sollte in keinem Bootshaus am Aushang fehlen.