FAQ/Infos Wildwasser
Wildwasserfahren ist wohl eine der faszinierendsten Sportarten. Normale sportliche Fitness und eine Portion Abenteuerlust reichen völlig aus, das Paddeln in bewegter Natur zu erleben. Man kann mit Freunden zum nächsten Wildbach fahren, in einen Kanuverein eintreten oder in schnellen Lernschritten einer Kanuschule das Verhalten in Walzen und Wellen erlernen.
In Kanuschulen und Vereinen hat man meist auch Gelegenheit, verschiedene Boote zu testen. Generell sollte man kein zu kleines Boot nehmen, eine Länge zwischen 240 und 270 Zentimeter eignet sich bestens zum Erlernen der modernen Wildwassertechnik. Der Fachhandel hat sich mittlerweile auf alle Spielarten des Wildwassertreibens eingeschossen. Ein großer Vorteil vieler trendiger Boote ist, dass es sie in verschiedenen Größen für jedes Paddlergewicht gibt und mit wachsendem Können die Freude an diesen PE-Schüsseln nicht abnimmt. Ein besonders Augenmerk sollten Einsteiger zudem auf die Ausrüstung und das Zubehör legen. Wir geben einen kurzen Überblick.
Paddel
Wildwasserpaddel sind in der Regel etwas schwerer als Tourenpaddel. Schlagzähe Materialien wie Polyurethan (PU) bei Blatt und Schafft machen das Mehrgewicht allemal wett. Ein gutes asymmetrisches TNP-Paddel gibt es schon für rund 100 Euro, für hochwertige Ergo-Leichbauvarianten aus durchgehendem Carbongewebe legt der Profi auch schon mal 400 Euro auf den Tisch. Die alte Regel "Kurzes Boot, kurzes Paddel" greift nicht überall. Wer häufig in engen und schnell zu befahrenden Passagen agiert, greift zur kurzen Stange. Wildwasserpaddel werden heute in der Regel zwischen 190 und 200 Zentimeter Länge gefahren, je nach Boot, Körpergröße, Technik und Beschaffenheit des Bachs.
Spritzdecke
Mit der Spritzdecke wird das Boot abgedichtet. Hier haben sich qualitativ hochwertige Spritzdecken aus Neopren durchgesetzt. Wer in schwierigeres Wildwasser gehen will, sollte sich gleich für eine mit Aramid verstärkten Rand und Bund entscheiden. Spritzdecken sollte der Händler in mindestens zwei unterschiedlichen Lukengrößen und Bundweiten bereithalten. Unbedingt im Laden ausprobieren, ob die Spritzdecke auch sauber auf den Süllrand des eigenen Bootes passt.
Auftriebskörper fürs Boot
Auch wenn unförmig ausgeschäumte Stützkeile im Inneren Auftrieb vorgaukeln: In jedes Boot gehören Auftriebskörper - nicht nur hinten, sondern auch vorne. Wer auf vordere Spitzenbeutel verzichtet, der riskiert, sein Boot beim Schwimmern zu beschädigen, wenn das Gefährt zu kopflastig über die Steine schrammt - auch die mitpaddelnden Bootsberger werden hinterher dankbar sein. Beim Schwimmern kommen zudem oft viel Sand und Steine ins Bootsinnere. Für eine lange Lebensdauer der Spitzenbeutel sollte das Boot deshalb regelmäßig gesäubert werden.
Schwimmweste
Schwimmwesten werden gerne zu groß gekauft. Eine Schwimmweste muss jedoch fest sitzen und darf sich bei Zug an den Trägern nach oben auf keinen Fall über die Ohren ziehen lassen. Beim Kauf sollte man sich wirklich Zeit lassen und fleißig anprobieren. Teurere Westen verfügen über ausgeklügelte Bergesysteme aus durchlaufenden und vielfach zu verstellenden Gurten - auf den Tragekomfort muss das keine Auswirkungen haben, wohl aber auf die Sicherheit. Diese so genannten Rettungswesten besitzen beste Einstellmöglichkeiten, lassen Platz für den Karabinerpark, die Trillerpfeife, diverse Taschen für Dokubeutel und sollten idealerweise in einer Signalfarbe gewählt werden.
Helm
Ein Wildwasserfahrer braucht einen stabilen, großflächig schützenden Helm. Bei allen muss gefittet werden, bis der Helm so gut sitzt, dass er sich nicht mehr locker verschieben lässt. Guten Helmen sind Fittingkits beigelegt. Sind diese unvollständig oder fehlen ganz, sollte man vom Kauf absehen. Entscheidend ist auch eine einstellbare Nackenstütze, die verhindert, dass der Kopf bei Kollisionen übermäßig stark nach hinten gedrückt wird. Auch wenn Sicherheitsjunkies jetzt aufheulen werden: Ein schlecht sitzender Helm ist besser als gar keiner.
Paddeljacke
Wer nur im Sommer oder gelegentlich paddeln will, für den ist eine einfacher Paddeljacke ausreichend, für jeden Paddler, der viel unterwegs ist, lohnt sich die Anschaffung einer Trocken- oder Halbtrockenjacke. Trockenjacken sind am Hals und an den Ärmeln mit Latexmanschetten ausgestattet. Bei Halbtrockenjacken haben sich spezielle Neoprenmanschetten durchgesetzt, die ähnlich abdichten wie Latexmanschetten, aber wesentlich komfortabler sind. Die wärmte und angenehmste Variante bei Trockenjacken sind 3-lagige Ausführungen, die zudem noch eine ausreichende Atmungsaktivität versprechen
Schuhe
An die Füße gehören stabile Schuhe. Paddler, die am Bach viel umtragen und an exotischen Stellen einsetzen müssen, schätzen knöchelhohes Schuhwerk aus Neopren mit einer griffigen Gummisohle. Gegen kalte Füße helfen in jedem Fall Neoprensocken.
Neoprenanzug
Den besten Schutz gegen Kälte und Verletzungen bietet immer noch der gute, alte Neoprenanzug. Er ist an den besonders beanspruchten Stellen wie Gesäß und Knien - idealerweise rutschfest - verstärkt. Das eigenen Kälte- und Wärmeempfinden sollte die zu wählende Materialdicke bestimmen. Komfortable Ausführungen führen zudem ein flauschiges "Innenleben", verwöhnen mit Fleece-Bezügen. Bewährte Modelle werden bei den Damengrößen mit Schrittreißverschluß ausgestattet.
Paddelpulli
In der kalten Jahreszeit nackte Haut unterm Neo zu tragen, das grenzt an Masochismus. Auch labberige Baumwoll-Shirts haben als Unterbekleidung ausgedient, kommen bestenfalls zum Auswischen des Bootes zum Einsatz. Nein, unter den Long John kommt ein Powerstretch-Paddelpulli: Das Polartec Material transportiert den Schweiß weg von der Haut und man ist stets wohlig warm und trocken.
Wurfsack
Ein Wurfsack zum Bergen und Retten von Paddler und Material ist keine Anichtssache, sondern ein Muss! Diese Sicherheitswurfleine darf in keinem Boot fehlen. Der Umgang mit dem Wurfsack muss natürlich fleißig geübt werden, am besten unter Anleitung erfahrener Kanuten oder im Rahmen eines Kurses.
Paddelkarabiner
Mit dem Paddelkarabiner, der Name kommt von der paddelgroßen Öffnung, wird der Wurfsack unter anderem im Boot befestigt. Moderne Wurfsäcke sind mit einer speziellen Karabinertasche ausgestattet, damit der zu Rettende nicht durch den Karabiner verletzt wird.
Nasenklammer
Die Nasenklammer ist hilfreich beim Erlernen der Eskimorolle, zudem verhindert sie bei größeren Schwällen im Bach die Nasenspülung.
Waserdichter Packsack und Dokubag
In einem wasserdichten Packsack kann zum Beispiel ein Erste-Hilfe-Set im Boot mitgeführt werden, Schwimmwesten eignen sich für die Aufnahme eines ebenfalls dichten Dokubags bei der Mitnahme von Geld, Papieren und Autoschlüssel.
Fotobox
Für das Verstauen von Fotoapparaten empfehlen sich bruchsichere und wasserdichte Cases, die der Handel in unterschiedlichen Größen anbietet.
Literatur zum Wildwasserfahren
Neben oder vor der Teilnahme an einem Wildwasserkurs empfiehlt sich Literatur in Buchform. Empfehlenswert ist etwa die hervorragenden Lektüre "Besser Wildwasserfahren" des Autors Olli Grau.
Latex-Manschetten und deren Pflege
Latex-Manschetten stellen noch immer die dichteste Abschlusslösung bei Paddelbekleidung dar. Um die Gebrauchseigenschaften lange zu erhalten, sind jedoch ein paar Pflegehinweise zu beachten. So ist in jedem Fall der Kontakt mit Ölen, Fetten und kupferhaltigen Metallen zu vermeiden, da Naturkautschuk-Produkte von diesen Stoffen angegriffen und zerstört werden. Außerdem ist die mechanische Beständigkeit der Latex-Abschlüsse begrenzt - Vorsicht daher mit spitzen Fingernägeln, Armbanduhren und Schmuck!
Da Latex extrem anfällig gegenüber ultravioletter Strahlung ist, sollten die Manschetten möglichst wenig der Sonne oder künstlichem UV-Licht ausgesetzt werden. Um einen Schutz vor mechanischer Beschädigung und UV-Strahlung zu bekommen, ist im Idealfall eine Paddelbekleidung mit abgedeckten Latex-Manschetten zu wählen. Latex sollte stets trocken und unter einer Raumtemperatur von 26 Grad gelagert werden. Regelmäßige Pflege mit Talkumpulver oder speziellen Latexpflegemitteln erhöht die Lebensdauer deutlich.
Long John oder Hose?
Eine Frage des Vertrauens, denn beide Systeme bieten Vor- und Nachteile. Für den Anfänger empfehlen wir zum Wildwasserfahren wegen der guten Wärmehaltung Long Johns, also durchgängige, ärmellose Einteiler. Fortgeschrittene, die selten "schwimmen gehen", greifen hingegen gerne zu einem Mix aus Hose und diversen Neoprenshirts. Grundsätzlich isolieren Long Johns sehr gut. Materialstärken von 3,5 bis 5 Millimeter in Kombination mit speziellen Schnitten für den Kajaksport und verschleißfesten Materialien an Knie, Schienbein und Gesäß haben sich am Markt durchgesetzt.
Neoprenhosen bieten eine höhere Flexibilität. So kann man sie je nach zu befahrendem Gewässer und Wetterbedingung mit Neoprenshirts, Powerstrech-Tops und Trockenjacken kombinieren. Badeshorts sind hingegen nur im Hochsommer "tragbar" oder wenn davon auszugehen ist, dass der Paddler nicht ins Wasser muss. Bitte auch hier an Einsätze bei der Fremdrettung denken!
Text: Webmaster
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Bei Autoreifen und Joghurt haben wir uns daran gewöhnt, dass kleine Prägehinweise auf dem Produkt oder der Verpackung über die Mindesthaltbarkeit oder das Herstellungsdatum aufklären. Beim Kanuhändler um die Ecke aber tappt der Paddler meist im Dunkeln: Über das Alter von Booten und Zubehör geben - wenn überhaupt - nur kryptische Zahlenfolgen auf versteckt angebrachten Aufnähern oder Stempeln Aufschluss. Dabei nagt der Zahn der Zeit schnell und unerbittlich an licht- und wärmeempfindlichen PE-Booten, Neopren- und Latex-Bekleidung. Dass Hersteller und Händler sich mit einer eindeutigen Etikettierung, wohl aufgrund des mangelnden Abverkaufs aktueller Ware, schwertun, ist einleuchtend - für den Endverbraucher bleibt es ein schwacher Trost. Ob der eingeräumte Rabatt etwa den Wertverlust eines fünf Jahre alten Testbootes wett macht, liegt eben nicht im Ermessensspielraum des Verkäufers, sondern im Vertrauensvorschuss, den der Kunde seinem Händler gewährt. So bleibt's eine verhängnisvolle Affäre, weil Vertrauen jene Transparenz voraussetzt, mit der die Branche bislang geizt. Wer nicht mit angeknacksten Paddeln, spröden Plastikbooten oder bröseligen Neoprenhosen über den Ladentisch gezogen werden will, der muss sich anderweitig und flächendeckend mit Hilfe der neuen Medien schlau machen. Das Internet mit seinen unzähligen Foren und Shops liefert heute schon das moderne Rüstzeug im Kampf gegen alten Ramsch. Augen auf, nicht blind vertrauen! Vom mündigen Kunden profitieren letztlich alle.