FAQ/Geschichte des Paddelns

Die Menschen bewegen sich vermutlich schon seit über zehntausend Jahren mit schwimmenden Gefährten auf dem Wasser. Futuristisch gestylte Rennkajaks lassen kaum erahnen, dass die erste brauchbare Bootsform wohl der Einbaum war.

Ausgehöhlte Baumstämme eigneten sich nur für kleinere Unternehmungen mit leichtem Gepäck. Nachweisen kann man die ersten Boote erst um 6000 vor Christus. In den Niederlanden gab es zu jener Zeit einfache Boote aus Kiefernästen, in Mesopotamien, dem heutigen Irak, Boote aus Schilfbündeln sowie einfache Flöße. Angetrieben wurden alle diese Bootstypen mit Muskelkraft. Tausend Jahre später statteten die Mesopotamier ihre Schilfboote mit Segeln aus. Damit konnten sie den Wind zur Fortbewegung nutzen und mussten nicht mehr ständig paddeln. Kaurz danach betrieben auch die Ägypter auf dem Nil eine rege Binnenschifffahrt mit Segelbooten aus Holz.

Das, was gemeinhin als Kanu bezeichnet wird, ist eigentlich der Kanadier, benannt nach seinem Ursprung in Nordamerika.

Als Bootstyp, der vorwiegend auf Binnengewässern verwendet wird, ist er oben offen und kann darum einfach beladen werden. Der Kanadier wird klassisch knieend, mit einem Stechpaddel, fortbewegt. Während des Paddelns wird die Seite nicht gewechselt, sondern vielmehr durch spezielle Ausgleichsschläge für gerade Fahrt gesorgt. Sitzen mehrere Personen in einem Boot, paddeln die einen links und die anderen rechts, der Hintermann (oder die Frau) steuert, während die Vorderen für den Antrieb zuständig sind.

Die wohl eleganteste Fortbewegung auf dem Wasser hat man sich im Zuge der hereinbrechenden ersten Industriealisierung bei den Indianern (unser Foto zeigt eine historische Darstellung) abgeschaut. Zur Zeit der großen Handelsgesellschaften, etwa die Hudson-Bay-Company in Nordamerika, wurden bis zu zwölf Meter lange Kanadier gebaut, mit denen die Felle bei den Fallenstellern abgeholt und an die Küste gebracht wurden. Die Arbeit der Voyageure, so hießen die berufsmäßigen Paddler, war hart und entbehrungsreich - mussten sie sich doch zuerst wochenlang flussaufwärts kämpfen, bis sie endlich ihre Ladung übernehmen konnten.

Die Fahrt auf den Flüssen war zudem nicht immer ungefährlich, da den Weg oftmals unpassierbare Stromschnellen versperrten. Gelangten die Voyageure an solche Engstellen, musste Boot und Ladung zu Fuß kilometerweit umgetragen werden. Heute werden die meisten Kanadier zu Ausflugszwecken auf Seen und Flüssen verwendet. In neuerer Zeit werden auch Wildwasserkanadier entwickelt, die durch spezielle Bootsformen und schlagzähe Rümpfe sicheres Befahren von Wildwasser erlauben.

Obwohl ursprünglich für die Verwendung auf dem Meer konstruiert, wird der Kajak heute vielfach auf Flüssen verwendet.

Der Kajak ist im Wildwasser der am weitesten verbreitete Bootstyp. Waren die Kajaks der Inuit (Foto) noch über fünf Meter lang, finden sich heute sogar Konstruktionen von unter zwei Metern. Grundsätzlich sind längere Boote schneller und richtungsstabiler als kurze.

Für die Inuit war Geschwindigkeit enorm wichtig, hing davon doch der Jagderfolg ab. Im Wildwasser zählt oft Wendigkeit mehr als Geschwindigkeit. Darum sind moderne Wildwasserboote kürzer als drei Meter. Der Kajak wird mit einem Doppelpaddel gepaddelt, wobei die zwei Paddelflächen gegeneinander verdreht sind. Der Grund, für die anfangs etwas unpraktisch anmutende Konstruktion, ist in der besseren Handhabung bei starkem Wind zu suchen. Der Paddler sitzt mit leicht angewinkelten Beinen im Boot. Für die richtige Kontrolle über das Boot verspannt man sich mit den Schenkeln in dafür vorgesehene Stützen unterhalb der Sitzluke. Die Füße haben dank weiterer Stützen oder einer Prallplatte Kontakt zum Boot. Nur so ist optimale Kraftübertragung überhaupt möglich.

1905 baut der Architekturstudent Alfred Heurich das erste Faltboot und fährt damit auf der Isar von Bad Tölz nach München.

Johann Klepper, Schneider und Sportartikelhändler aus Rosenheim, kauft 1907 von Heurich die Lizenz zur                   Serienfertigung seines Bootes. Es ist die Geburtsstunde eines Klassikers. Da sich das Wasserfahrzeug auch an Land leicht transportieren lässt, gewinnt das neue Klepper-Faltboot schnell Freunde. Sportbegeisterte junge Leute fahren mit der Bahn oder dem Fahrrad an die Ufer der Flüsse und Seen, bauen ihre Boote zusammen und nutzen die alten Wasserarme als neue Wanderwege. Das Wasserwandern wird in den zwanziger Jahren zum Volkssport. Olympische Weihen erhält das Faltboot (das Foto zeigt den Showroom der Firma Poucher Boote) schließlich 1936 in Berlin.

Unabhängig von der Massenbewegung entwickeln sich die Wettkampfdisziplinen unter der Verwendung neuartiger und leichter Materialien, wie glasfaserverstärktem Kunststoff, weiter. 1949 finden die ersten Weltmeisterschaften im Kanuslalom in Genf statt. 1972 wird die Disziplin auf dem Augsburger Eiskanal olympisch und löst einen Boom aus.

Text: Webmaster

 

Die Bezeichnung Kanadier ist eigentlich eine unzutreffende Beschreibung für ein großes Kanu - und auch eine jener Kunstbegriffe und Wortneuschöpfungen, an die wir uns längst gewöhnt haben. In den unwegsamen Fluss- und Seegebieten Nordamerikas, wo große Strecken mit viel Gepäck zu bewältigen waren, werden die sitzend und knieend gefahrenen Boote bis heute nur als "Canoe" oder "Open Canoe" bezeichnet - womit wir wieder bei der korrekten deutschen Ableitung des Kanus wären.