Aktivitäten/Sonnenwendfeier mit Johannisfeuer*
Zwischen Tradition und Moderne haben wir Kanusportler unsere beliebte Sonnenwendfeier (Sa., 20. Juni, ab 18 Uhr) etabliert. Rund ums große Johannisfeuer schießen seit dem 12. Jahrhundert wilde Geschichten um misswüchsige Kinder und entfesselte Trolle ins Kraut. Auch in Gernsheim soll sich manch ein Paddler nach der Verkostung mehrerer Gläser Gerstensaft im Reich der Fantasie verirrt haben.
Der Tag der Sommersonnenwende wird seit Anbeginn von den Menschen als mystischer Tag betrachtet, oft begleitet von weltlichen und religiösen Feierlichkeiten. Je größer der Unterschied zwischen dem harten Winter und dem warmen Sommer, desto festlicher hat man von jeher diesen Tag zelebriert. Hoch im Norden Europas, wo in der sommerlichen Jahreszeit die Nächte gar nicht mehr dunkel werden (man spricht auch von den "weißen Nächten"), haben Sonnenwendfeiern - als Mittsommerfest bezeichnet - deshalb wesentlich mehr Bedeutung als zum Beispiel rund ums Mittelmeer.
Die Sonnenwendfeste haben vor allem in den germanischen, nordischen, baltischen, slawischen und keltischen Religionen einen festen Platz. In der keltischen Mystik heißt der Tag der Sommersonnenwende etwa Alban Heffyn. Seit der Christianisierung Europas werden diese Feiern oft mit dem 24. Juni, dem Geburtstag Johannes des Täufers (Johannistag) verbunden, und einige der Sonnenwendbräuche, die sich bis heute erhalten haben, wie die Johannisfeuer, sind nach ihm benannt.
Von der in Europa und den USA wachsenden Gemeinschaft von Angehörigen indigener Religionen wird dagegen der 21. des Monats gefeiert - meist auch mit einem entsprechenden Feuer. Bei den Anhängern des Neopaganismus wird das Treiben als Litha bezeichnet. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden die wiederentdeckten altgermanischen Sonnenwendfeiern offizielle Feiertage und in die Symbolik von "Volk, Blut und Boden" integriert, was ihrem Ruf bis heute schadet. Als Neo- bis Pseudobrauchtum sind die Sonnenwend- und Walpurgisfeiern an den Externsteinen im Teutoburger Wald anzusehen. Esoterik und Astrologie berufen sich hingegen auf verschiedene heidnische Traditionen und feiern teilweise die Sonnenwende als Sonnenkult. Die südlichste Sonnenwendfeier findet übrigens seit 1929 in der spanischen Region um Alicante statt.
Wir Kanusportler aus Gernsheim stehen zwar nicht zwischen allen Traditionen, wir distanzieren uns aber ausdrücklich vor braun eingefärbtem Hokuspokus oder sektiererischem Mummenschanz. Der längste Tag des Jahres wird bei uns am Rhein, wie bei vielen Kanufreunden weltweit, rund ums Bootshaus als Höhe- und Mittelpunkt der sommerlichen Paddelsaison gefeiert. Gläubige und Atheisten, Antichristen und Freigeister, Muslime und Rohfleischesser aus nah und fern sind deshalb eingeladen, mit uns diesen schönen Brauch bei Bier, Steaks, hausgemachten Salaten und geräucherten Forellen rund ums Johannisfeuer zu begehen - auch, um diese fabelhafte Nacht um die eine oder andere Schnurre zu bereichern.
*Unsere diesjährige Sonnenwendfeier ist Teil des Events "Tags des Kanusports". Sie findet ab 18 Uhr im direkten Anschluss an den großen Flohmarkt rund ums Bootshaus statt.